Pippa erklärt, was wirklich nicht ins Gehege gehört
Hallo, ich bin’s – Pippa, eure Meerschweinchenlehrerin.
Heute wird es ein bisschen ernst.
Denn obwohl wir Meerschweinchen schon seit vielen Jahrzehnten als Haustiere halten, begegnen mir immer noch Dinge, die in einem modernen, artgerechten Meerschweinchengehege nichts verloren haben.
Viele dieser Ideen stammen aus einer Zeit, in der man noch viel weniger über die Bedürfnisse von Meerschweinchen wusste. Damals gab es kleine Käfige, bunte Knabberstangen, Pellets als Hauptfutter und jede Menge Zubehör, das zwar praktisch aussah – für uns Schweinchen aber alles andere als angenehm war.
Zum Glück wissen wir heute deutlich mehr.
Deshalb möchte ich dir heute die fünf größten No-Gos zeigen, die in einem Meerschweinchengehege nichts verloren haben.
Und über diese Punkte lässt sich eigentlich nicht diskutieren.
No-Go Nr. 1
Gitterroste als Gehegeboden

Wenn ich einen einzigen Gegenstand nennen müsste, der in einem Meerschweinchengehege absolut nichts verloren hat, dann wäre es ein Gitterrost als Boden.
Früher wurden solche Käfige häufig verkauft. Die Idee dahinter war einfach:
Der Kot sollte durch das Gitter fallen und die Reinigung erleichtern.
Für die Tiere bedeutet das jedoch etwas völlig anderes.
Unsere Füßchen sind nicht dafür gemacht, sich dauerhaft auf schmalen Streben, welcher Art auch immer, zu bewegen. Und sei mal ganz ehrlich: Kannst du dir vorstellen, selbst SO zu leben?? Wir bleiben in den Löchern hängen und verletzen so sehr leicht unsere Füße und man liegt auch kein bisschen bequem darauf!!!
Die Folgen können sein:
- Druckstellen
- schmerzhafte Ballenentzündungen
- Fehlbelastungen
- Verletzungen, Brüche
- Gelenkprobleme
Jeder Schritt belastet die Füße unnatürlich.
Besonders tragisch:
Viele Tiere zeigen ihre Schmerzen lange Zeit nicht deutlich. Sie leiden still.
Deshalb gilt:
Ein Gitterrost als dauerhafter Untergrund ist nicht artgerecht und aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel.
Ein guter Gehegeboden besteht aus weichen, ebenen und trittsicheren Materialien, weiche Sägespäne, Heu und Fleecedecken.
No-Go Nr. 2
Holzpellets als Einstreu

Viele Menschen verwenden Holzpellets als Gehegeeinstreu, weil sie Feuchtigkeit gut aufnehmen.
Das Problem:
Was für die menschliche Nase praktisch erscheint, ist für Meerschweinchenfüße oft eine Katastrophe.
Holzpellets sind:
- hart
- kantig
- unnachgiebig
Wir laufen den ganzen Tag darauf.
Unsere Ballen werden ständig punktuell belastet.
Dadurch können entstehen:
- Druckstellen
- Entzündungen
- Ballenabszesse
- schmerzhafte Wunden
Besonders ältere Tiere oder Tiere mit höherem Gewicht sind gefährdet.
Ein Meerschweinchen verbringt nahezu sein gesamtes Leben auf seinem Gehegeboden.
Deshalb sollte dieser möglichst gelenk- und ballenschonend sein.
Weiche Untergründe wie Fleecehaltung mit saugfähigen Einlagen oder andere fußfreundliche Lösungen wie Heu und feines Einstreu sind deutlich besser geeignet.
No-Go Nr. 3
Pellets und Trockenfutter als Hauptfutter

Dieses Thema sorgt regelmäßig für Diskussionen.
Doch schauen wir uns an, was ein Meerschweinchen eigentlich ist:
Ein Dauerfresser.
Unsere Verdauung ist darauf ausgelegt, ständig strukturreiche Pflanzenfasern aufzunehmen.
In vielen handelsüblichen Trockenfuttern steckt jedoch etwas völlig anderes.
Häufig enthalten sie:
- nicht unbedeutend viel Getreide
- Johannisbrot
- energiereiche Bestandteile
- stark verarbeitete Zutaten
- synthetisch zugesetzte Vitamine
Viele dieser Futtersorten werden sogar als Alleinfutter beworben.
Das Problem: Sie ersetzen keine natürliche Ernährung. Besonders kritisch ist die starke Verarbeitung. Beim Mahlen und Pressen geht die natürliche Struktur der Pflanzen verloren.
Dadurch wird:
- weniger gekaut
- der Zahnabrieb reduziert
- die Verdauung verändert
Die Folge können sein:
- Zahnprobleme
- Zahnspitzen
- Übergewicht
- Verdauungsstörungen
Ein weiterer Punkt:
Viele Futtermittel werben mit „getreidefrei“. Das klingt gesund. Doch oft werden lediglich andere hochverarbeitete Bestandteile eingesetzt.
Das eigentliche Problem ist häufig gar nicht das Getreide selbst, sondern die Verarbeitung, die Zusammensetzung und die Zusatzstoffe.
Eine gesunde Ernährung besteht hauptsächlich aus:
- Heu
- frischen Wiesenkräutern und Gras
- Blattgemüse
- frischen Kräutern
Nicht aus bunten Pellets.
Pellets können in bestimmten Situationen als Ergänzung dienen, mehr nicht.
Als Hauptfutter sind sie jedoch ungeeignet.
Viele handelsübliche Trockenfutter und Snacks gehören nicht zum natürlichen Futterspektrum von Meerschweinchen und können langfristig die Darmgesundheit beeinträchtigen.
No-Go Nr. 4
Häuser mit nur einem Ausgang

Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen.
Denn ein Haus mit nur einem Eingang kann direkt zu Stress und Konflikten führen.
Meerschweinchen sind Fluchttiere. Wir fühlen uns sicher, wenn wir jederzeit ausweichen können. Hat ein Haus nur einen Ausgang, kann ein ranghöheres Tier diesen blockieren.
Das rangniedere Tier sitzt fest.
Es kann:
- nicht ausweichen
- nicht flüchten
- nicht beschwichtigen
Die Folge:
Stress. Und manchmal Streit.
Ein zweiter Ausgang verändert alles.
Plötzlich wird aus einer Sackgasse ein sicherer Rückzugsort.
Deshalb gilt:
Jedes Haus sollte mindestens zwei Ausgänge besitzen.
No-Go Nr. 5
Metall-Futterkugeln

Sie sehen oft harmlos aus.
Manche Menschen halten sie sogar für Beschäftigungsspielzeug.
Für Meerschweinchen können sie jedoch gefährlich werden.
Vor allem junge Tiere sind gefährdet. Und wenn du nicht nur “moosige” Schweinchen hast, solltest du das unbedingt erst nehmen.
Immer wieder kommt es vor, dass sie mit dem Kopf oder Kiefer zwischen den Metallstreben hängen bleiben. Im schlimmsten Fall entstehen schwere Verletzungen.
Sicherer sind:
- große Heuhaufen
- gut zugängliche, stablile Heuraufen
- Futterplätze am Boden
- natürliche Futtersuchspiele
Pippas Fazit

Viele dieser Dinge werden noch immer verkauft. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie gut für Meerschweinchen sind.
Frage dich immer:
Hilft dieses Produkt wirklich meinem Meerschweinchen?
Oder will die Werbung dir einreden, dass du das brauchst für deine Meerschweinen?
Artgerechte Haltung beginnt oft nicht mit teuren Produkten. Sondern mit dem Weglassen ungeeigneter Dinge.
Und manchmal macht genau das den größten Unterschied für ein glückliches Schweinchenleben.
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